Mauerbacher Scherbenhaufen

Mit der Zurücklegung der Mandate am 16.9.2014 hat die Opposition im Mauerbacher Gemeinderat sozusagen die „Reißleine“ gezogen. Dieser recht ungewöhnliche Schritt wäre nicht nötig geworden, wären die Regierungsfraktionen, und vor allem auch Bürgermeister Buchner selbst, ehrlich zu ihren wiederholten Zusagen einer offenen und ehrlichen Diskussion des Sportplatzprojektes gestanden.

Besonders ist an Buchners Zusage zu erinnern, eine offene Arbeitsgruppe einzurichten, in der alle Fragen zu diesem Vorhaben behandelt werden könnten. Diese AG trat genau EINMAL (1x) zusammen, dann verwies Herr Buchner nur mehr auf den Hochbauausschuss. Alles übrige geschah, wie schon gewohnt, weitgehend hinter verschlossenen Türen. Die zugesagte Offenheit war eben nur ein leeres Versprechen, es blieb nicht das einzige.

Zu diesem Zeitpunkt war erkennbar, dass sich viele BürgerInnen gegen das Verbauen der Feldwiese aussprechen würden, es wurden bereits Unterschriften gesammelt. Eigentlich ein deutlicher Weckruf – wann haben sich schon einmal 1100 MauerbacherInnen für ein Anliegen zusammengetan?

Eines muss klar gesagt werden: Es gibt unterschiedliche Ansichten unter den BürgerInnen, das ist normal. Nicht normal ist hingegen der recht undemokratische Umgang mit dem Problem und im Gefolge die zunehmende Polarisierung, gegen die von unserem Bürgermeister nie ein klares Wort (und auch keine Tat) kam.

Um ganz deutlich zu sein: Unser Problem lautet NICHT „Sportfreunde gegen Naturfreunde“, denn die Bürgerinitiative ist ganz überwiegend FÜR eine adäquate Lösung des Fußballplatzproblems.

 Der Weg zum „Fußballstadion Feldwiese“ 

Der Scherbenhaufen Fußballplatz nahm deutlicher Gestalt an, als Herr Buchner und die Regierenden begannen, die sehr fundierten Ergebnisse der G‑21­‑ Standortfindungsgruppe (mit mehreren Optionen) konsequent zu sabotieren. In der Projektpräsentation am Sonntag, den 14. September sprach ich, bezogen auf die Hainbucherstrasse, von Kaputtschreiben der Hainbucherstrasse, das wird hier näher beschrieben.

Kaputtschreiben der Hainbucherstrasse Teil 1

Zuerst holte man sich – für ein winziges Honorar – Herrn DI Zita für eine Vergleichsstudie zu den Standorten Feldwiese und Hainbucherstrasse. Das Ergebnis war ein rund 7-seitiger Text, der recht klar die Feldwiese viel besser fand. Die Vorgangsweise war allerdings fachlich indiskutabel – zufällige Kriterien wurden nach Belieben mal angewandt, mal wieder nicht, wichtige Punkte fehlten ganz, etc. Ausgangspunkt war ein falsch formulierter Auftrag seitens der Gemeinde, der dann nur teilweise abgearbeitet wurde, auf recht unqualifizierte Weise. Wir haben damals eine Darstellung der vielen Mängel dieses Schnellschusses an die Verantwortlichen verschickt, wie zu erwarten gab es jedoch wieder keine Reaktion.

Kaputtschreiben der Hainbucherstrasse Teil 2

Und ein weiterer Schnellschuss: Unser Bürgermeister bekam die Bezirkshauptmannschaft dazu, für ca. 3 Stunden mehrere Gutachter diesen potenziellen Standort an der Hainbucherstrasse besichtigen zu lassen, und darüber ein Protokoll zu verfassen. Herr Buchner fand es unnötig, hiezu auch den Vorsitzenden des Umweltausschusses und Umweltgemeinderat (damals T.Brandl) dabei zu haben.

Vorgabe für die Begehung war folgendes Projekt: „Vorgesehen ist die Errichtung folgender  Einrichtungen: Fußballplätze (Spiel- und Trainingsplätze), Laufbahn, FunCourt, Beachvolleyballplatz und zusätzlich zu den bereits bestehenden Tennisplätzen ein weiterer Tennisplatz, dazu Nebenanlagen  (Vereinshaus, Zuschauereinrichtungen, technische lnfrastruktur) und Parkplätze.“

Diese Projektbeschreibung allein – als eine Art Multi-Sportzentrum – macht die Aussagen des Begehungsprotokolls schon recht fragwürdig.

Es ist unklar, welcher Stellenwert diesem Protokoll (kein Gutachten und auch kein Bescheid) wirklich zukommt. In der Debatte verwendet werden die Ergebnisse dennoch, und möglicherweise versperrt dieses Papier letztlich effektiv eine Nutzung des Standortes. Das wäre, auch juristisch, noch zu klären (ich bin kein Jurist). Voraussetzung für eine solche Klärung wäre natürlich die Deklaration der Gemeinde, dass man den Standort wenn irgend möglich nützen will. Eine solche Erklärung gibt es jedoch nicht, weil man es einfach nicht will.

Faktum ist: Manche der Probleme und Hinderungsgründe, die für die Hainbucherstrasse angeführt werden, existieren in gleicher oder ähnlicher Weise bei der Feldwiese. Nur werden sie dort und anderswo (bezüglich Gewässerqualität) hingenommen, oder durch angebliche  Ausgleichsmaßnahmen (dazu an anderer Stelle mehr) beseitigt. Besonders betrifft das Natur- und Landschaftsschutz sowie Widmung und Störung des Ortsbildes.

Die Aussage, eine Sportflächenwidmung wäre kaum zu genehmigen, wurde bei der Präsentation am 14. September von Herrn Buchner zitiert. Hier ist zu fragen, ob das auf die Feldwiese nicht ebenso zuträfe, würde dort nicht eine 30 Jahre alte Widmung genutzt (die leider nicht widerrufen wurde). Hier sollten eigentlich die demokratisch festzulegenden Wünsche und Ziele der Gemeinde maßgeblich sein.

Die bei der Hainbucherstrasse kritisierte Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wirft ebenfalls die Frage auf: Und wie ist das mit dem Landschaftsbild auf der Feldwiese?

Bemängelt wird auch eine angeblich nötige Rodung des Uferbewuchses am Mauerbach, weil das die Gewässerqualität beeinträchtigen könnte. Viele von uns erinnern sich, dass immer wieder Begleitgehölz (mit Bäumen) entlang unserer Bäche radikal abgeholzt wird, gegen wirkungslose Proteste. Was gilt jetzt also ?

Interessant ist dann noch die Behandlung (angeblicher) Hochwassergefahren, die von einem Sachverständigen ausgeschlossen, von einem zweiten aber problematisiert werden. Das bestätigt den Eindruck eines Schnellschusses sehr deutlich.

 Was ist aus alledem zu schließen? 

Klar ist, dass es bisher keine adäquate Bewertung des Standorts Hainbucherstrasse gab. Und zwar, weil es kein richtiges Projekt oder Vorprojekt gibt, das als Basis einer Bewertung und zur Entwicklung von Lösungen für allfällige Probleme dienen könnte. Allerdings wird es eine solche Untersuchung auch nicht geben, wenn und solange sich die Regierenden dieser Alternative verweigern.

Anzumerken bleibt, dass sich die denkbaren Alternativen (ich bestehe noch immer auf Alternativen) nicht auf Feldwiese und Hainbucherstrasse beschränken. Was jetzt angepeilt wird, ist die Maximallösung – Standort Feldwiese, und maximale Anlagengrösse – statt z.B. nur einer Zweiplatz-Anlage. Die Regierenden haben allerdings bisher allen Alternativen die kalte Schulter gezeigt, ich wüßte gerne, warum.

 Was sind die anderen Alternativen? 

Falls die Option Hainbucherstrasse nach Prüfung nicht realisierbar ist, dann fällt einem als Alternative 1 natürlich wieder der bestehende Platz – bei Absiedlung der Tennisplätze – ein. Es gab in der Vergangenheit sehr wohl Aussagen der Vereinszuständigen, man könne sich auch das vorstellen, wenn es eine solide Lösung wäre.

Das wäre eine wesentliche Verbesserung für die Fußballspieler und böte u.a. – nahe dem Zentrum – einen Lagevorteil. Der offensichtliche Nachteil ist das für die Finanzierung vorerst fehlende Geld, der Platz könnte dann nicht verkauft werden, die Lösung würde sich so um mehr als nur ein Jahr verzögern. Der Wunsch nach einem zusätzlichen Trainingsplatz würde so vorerst auch nicht erfüllt.

Zu Alternative 2: Viele Leute in der Bürgerinitiative wollen keinesfalls auch nur einen Meter Feldwiese opfern. Es gibt allerdings auch Menschen, die – wenngleich sehr ungern – einen Teil der Feldwiese preisgeben würden, wenn es (a) nachvollziehbarer Weise keine Alternative gäbe, und wenn (b) das Projekt kleiner wäre.

Bei der Präsentation gab Bgm. Buchner auf die Frage, wieso es eine Mammutlösung mit drei (3) Plätzen sein muss, keine Antwort. Die Frage ist aber damit nicht vom Tisch. Zwei Plätze wären im Vergleich zu jetzt bereits sowas wie Luxus (das wissen die Vereinsverantwortlichen), und zugleich würde eine beträchtliche Fläche vor der Verbauung bewahrt. Wäre das denn gar keine Option?

Persönlich wünsche ich mir zuerst eine ernsthafte Prüfung des Standortes Hainbucherstrasse. Wenn dieser nachvollziehbar ungeeignet ist, sollten die Mauerbacher BürgerInnen demokratisch über Alternative 1 (Platzsanierung) oder Alternative 2 (2 Plätze auf der Feldwiese) abstimmen.

tb

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