Als wärest du in der Wildnis

biospaehrengebiet

nicht eine bis zwei Meilen von einer der lebhaftesten Hauptstädte der Welt entfernt“ – so beschrieb Adalbert Stifter vor 150 Jahren die Eigentümlichkeit des Wienerwaldes.

Mir geht es ganz genauso. Jedes Mal, wenn ich mit meiner Familie und Freunden einen Ausflug im Wienerwald mache, staunen wir, wie einsam, unberührt und urtümlich sich dieses riesige Wald- und Wiesengebiet dem Wanderer erschließt. Staunend steht man auf der Troppbergwarte und blickt in scheinbar nicht enden wollende Wälder, gemächlich gondelt man durch die Gegend von Innermanzing zu lauschigen, weltabgeschiedenen Picknickplätzen. Man hat das Gefühl von Urlaub. Weiden, idyllische Bauernhöfe und der alles umspannende Wald – und all dies eine halbe Autostunde von der Millionenstadt entfernt.

 Region mit Geschichte 

Der Wienerwald wird seit Jahrhunderten von Menschen bewohnt, genutzt und gestaltet Wiesen, Weiden, Obstwiesen und Weingärten gehören dazu. Reste dieses einst viel ausgedehnteren Weidelandes, die Perchtoldsdorfer Heide oder der Eichkogel bei Mödling, zeichnen sich durch eine in Österreich einzigartige Vegetation aus.

Der Wienerwald umschließt auch auf relativ engem Raum Kulturgüter von unschätzbarem Wert. Klosterneuburg war die erste Herzogsresidenz der Babenberger im Wiener Raum. Stift Heiligenkreuz ist seit jeher kulturelles Zentrum. Unsere Kartause Mauerbach war die erste Kartäusergründung in Europa und das erste von Josef II. aufgelöste Kloster, seine kulturelle Bedeutung ist unbestritten.

 Der Schutz des Wienerwaldes 

Lange Jahrhunderte war der Wald für die Wiener eher eine gefahrvolle Wildnis, die es auf Reisen von und nach der Reichshaupstadt zu durchqueren galt. Erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man das Umland der Stadt als Ziel für Landpartien zu entdecken. Mit dem Zeiserlwagen, offenen, einfachen Wagen kamen auch die weniger betuchten Wiener und Wienerinnen am Sonntag zu ihrer Landpartie. Schutzhäuser und  behäbige Landgasthöfe sprießten aus dem waldigen Boden.

Der Kreuzelwirt im Steinbachtal mit seinem immer noch gut erkennbaren, kastanienbestandenen Gastgarten oder die inzwischen völlig verschwundene Schutzhütte auf dem Buchberg oberhalb der Augustinerwaldsiedlung, auf dem Höhenrücken, der das Mauerbachtal vom Purkersdorfer Tal trennt sind älteren Bewohnern oder Ausflüglern noch gut in Erinnerung.

Schon einmal war der Wald in höchster Gefahr: Um die Kriegsschulden zu tilgen (Österreich hatte gegen Preußen 1866 den Krieg verloren) verkaufte der Staat den Wienerwald an Holzspekulanten. Gerettet wurde der Wald  damals von Josef Schöffel, der sich als Journalist heftig gegen diesen Ausverkauf einsetzte. Schöffel erreichte sein Ziel. Er war damit in gewisser Weise auch der Ahnherr aller Schutzbestrebungen, die den Erhalt des Wienerwaldes zum Ziel hatten und haben.

Im Jahre 1905 beschloss der Wiener Gemeinderat, den Wienerwald für immer zu schützen.Im Wiener Raum wird der Wienerwald daher auch nicht mehr forstlich genutzt, sondern dient ausschließlich der Erholung der Bevölkerung und als grüne Lunge Wiens, das durch den häufigen Westwind von den Hängen des Kahlengebirges regelmäßig mit frischer, sauerstoffreicher Luft versorgt wird.

Der jüngste Schutzstatus ist seit 2005 die Anerkennung des Wienerwaldes als Biosphärenpark. (Das Konzept des Biosphärenparkes haben wir im Kiebitz 3/05 genauer erläutert.)

Durch dieses Konzept soll den hauptsächlichen Gefährdungen des Wienerwaldes begegnet werden:

  1. Beeinträchtigung durch hohen Siedlungsdruck: Jeder möchte heraus aus der Stadt und im Grünen wohnen. Kleine alte Siedlungskerne ufern aus, fressen sich meist konzeptlos und ohne begleitende Infrastruktur in das Umland. Als Folge kommt es zu
  2. rasant steigendem Verkehrsaufkommen im Bereich Individualverkehr mit allen negativen Begleiterscheinungen für Anrainer, Klima und Tier- und Pflanzenwelt.
  3. Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Gerade die Landwirte sind es aber seit Jahrhunderten, die dem Wienerwald sein freundliches, abwechslungsreiches und ökologisch so wertvolles Gepräge verleihen. Weiden, Wiesen, Felder, Obstwiesen bereichern den Wald um hochdiverse Ökosysteme mit einer Vielzahl geschützter, nicht selten vom Aussterben bedrohter Pflanzen- und Tierarten.

                                                                                    up

 

Haben Sie Lust auf einen kleinen Traumausflug bekommen?

Hier einige Büchertipps:
Naturwanderungen im Wienerwald
M.Paar, M.Mann  Leopod –Stocker Verlag    Graz 2005

Wandern mit Kindern – Wiener Hausberge
R.u.Th.Deininger  Leopold-Stocker-Verlag     Graz 1999

Wandern im Wiesenwienerwald
B.Baumgartner  Naturfreunde NÖ  Tel.: 02742/357211 niederoesterreich@naturfreunde.at

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