Der Europäische Biber

Der Europäische Biber

Ausgestorben

Wegen seines begehrten Felles und des hochgeschätzten  „Bibergeils“, eines Drüsensekretes, das als Allheilmittel betrachtet wurde, wurde der Biber vor etwa 150 Jahren in Europa praktisch ausgerottet.

Im Jahre 1980 gab die Stadt Wien eine Studie in Auftrag, inwieweit eine Wiederansiedlung in der Lobau Erfolgsaussichten hätte. Der Studienautor, J. Reichholf, kam zu dem Schluss, dass eine Wiederansiedlung unter bestimmten Voraussetzungen gelingen könnte.

Zwischen 1983 und 86 begann man mit dem Aussetzen von Bibern in der Lobau. Nach anfänglichen Fehlschlägen konnte 1986 erstmals sicher Nachwuchs festgestellt werden

Steckbrief:                                                                   

  • 1,3 m lang
  • Bis zu 30kg
  • dichtes und wasserfestes Haarkleid – bis 23.000 Haare pro cm²
  • abgeflachter Schwanz zum Schwimmen, als Fettspeicher („Kelle“) und zum Erzeugen von Warntönen.
  • Schwimmhäute zwischen den Hinterzehen
  • Vorderfüße mit kräftigen Krallen
  • starke Nagezähne mit Eiseneinlagerungen (Farbe!)
  • dämmerungs- und nachtaktiv

 

 Landschaftsgestalter, Baumeister und lebenslange Treue

 Um den Eingang zum Bau unter der Wasseroberfläche zu verbergen und um besser schwimmen zu können, macht sich der Biber die ungeheure Mühe und staut sein Wohngewässer kurzerhand mittels eines aus Ästen und Zweigen erbauten Dammes auf. Am Hischengartenteich hat die Tätigkeit des Bibers in den letzten 15 Jahren den gesamten Bereich am Zulauf gewaltig verändert. Neu aufgestaute  Stillwasserbereiche sind zum Laichgewässer von Amphibien geworden, die den mit Fischen besetzten Teich bislang gemieden hatten.

Biber leben in lebenslanger Einehe. Die 2-5 Jungen werden sehend und mit Fell geboren und nehmen schon nach etwa 3 Wochen neben der Muttermilch auch pflanzliche Nahrung auf. Die Jungtiere bleiben zwei Jahre im Familienverband. Biber haben recht komplexe Strategien entwickelt, um eine „Übervölkerung“ zu

vermeiden: Wird der Bestand zu dicht, ziehen einesteils die ältesten Jungtiere weg und bauen an geeigneter Stelle ihre eigene „Biberburg“, andernteils pflanzen sich nur die ältesten Weibchen fort. Bei hoher Dichte kommt es zu oft tödlich endenden Revierkämpfen unter den Jungtieren.

Strenger Vegetarier

Im Sommer ernähren die Biber sich von allerhand Wasser- und Landpflanzen. Im Winter fällen sie bis zu 6o cm dicke Bäume, um an Rinde, Zweige und Knospen heranzukommen. Mit ihren messerscharfen Nagezähnen beißen sie bis zu 10 cm lange Späne aus dem Stamm und nagen ihn in der charakteristischen Weise durch. Meterlange Zweige schleppt der Biber dann zu seinem Fressplatz oder in seinen Bau.

Erstaunliche Ausbreitung

Die Voraussagen des Studienautors von 1980 haben sich bewahrheitet, wurden sogar übertroffen. Denn niemand dachte damals daran, dass der Biber, wahrscheinlich über den Wienfluss, auch den Wienerwald als Lebensraum erobern würde und in einer so stadtnahen Gemeinde wie Mauerbach bei manchen für Begeisterung, bei andern aber auch für Unmut sorgen würde.

Inzwischen ist er in NÖ recht weit verbreitet.

 Gesetzlicher Schutz

Im internationalen Recht ist der Biber als „geschützte Tierart“ in der Berner Konvention und in der FFH-Richtlinie  verankert. Für den Erhalt dieser Art müssen Schutzgebiete ausgewiesen werden. Die Schutzbestimmungen sind im NÖ Naturschutzgesetz 2000 umgesetzt, das in §18 Abs. 4 die Verbote für besonders geschützte Arten, wie den Biber, regelt.

Konflikte mit Biberaktivitäten

Wenn es zu Konflikten kommt, bietet das Land NÖ Gemeinden und Einzelpersonen Unterstützung an.

Meist können präventive Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen. In Ausnahmefällen werden unter Einhaltung strenger Vorschriften Eingriffe in die Population genehmigt. (Dammentfernung, Vergrämen, Fallen und Verbringung in andere Reviere). Solche Maßnahmen sind entlang des Mauerbaches auch nötig, da parallel zum Bach der Fäkalkanal verläuft. Untergräbt der Biber diesen, kann es zu Rohrbrüchen mit katastrophalen Auswirkungen auf den Bach kommen.

Die Basis dazu bildet die NÖ Biberverordnung 2019.

Weiterführende Informationen finden Sie unter der ff Webadresse: https://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/Wildtier_Biber.html

Ursula Prader

Fotos: pixabay, Bettina Felzmann